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Kornelia Flemming

PTA, ist Naturspielpädagogin und freiberuflich tätig in der Umweltbildung mit Kindern. Als Hobbyimkerin beschäftigt sie sich intensiv mit der Bienenhaltung und der Situation von Wild- und Honigbienen.

 

Frau Flemming, warum braucht die Wildbiene überhaupt unseren Schutz?

Zunächst einmal, weil sie vom Aussterben bedroht ist: Früher gab es weit über 500 verschiedene Arten in Deutschland. Etliche davon sind bereits komplett verschwunden.

 

Woran liegt das?

Vor allem daran, dass ihre natürlichen Nistplätze verschwinden. Und die moderne Gartengestaltung ist eben oft nicht wildbienenfreundlich.

 

Was macht die Wildbiene denn so wichtig für unser Ökosystem?

Die Wildbienen übernehmen einen wesentlichen Part in der Blütenbestäubung. Zwar ist die Honigbiene für den Hauptanteil verantwortlich, und das sind immerhin rund 80%. Aber auch die ist durch Faktoren wie Insektizide und Varroamilben stark bedroht, so dass der Anteil der Wildbiene immer wichtiger wird.Abgesehen davon geht es natürlich auch um den Artenreichtum: Ausgestorbene Arten sind der Natur nicht zurückzuführen.

 

 

WILDE INDIVIDUALISTEN: DIESE BIENEN SIND STAATENLOS.

 

Worin unterscheidet sich die Wildbiene generell von der Honigbiene?

Wildbienen sind im Gegensatz zur Honigbiene keine Staatenbildenden Kontaktinsekten. Sie sind Solitärwesen: Jede Wildbiene lebt für sich, und jedes Weibchen zieht seine eigene Brut auf.

 

Produziert auch die Wildbiene Honig?

Nein, das macht nur die Honigbiene.

 

Wo finden wir die Wildbiene, wo nistet sie?

Das ist je nach Art unterschiedlich: Mauerbienen zum Beispiel nutzen Ritzen im trockenen Mauerwerk, Sandbienen vergraben sich in Sandanhäufungen, und Totholzbienen nutzen Bohrlöcher in totem Gehölz. Andere Arten suchen sich Nistplätze in verlassenen Schneckenhäusern und in den Stängeln markhaltiger Pflanzen.

 

Wie können wir selbst die Wildbiene unterstützen – in unserem Garten oder auch auf dem Balkon?

Es bringt viel, wenn wir die natürlichen Nistplätze in der Umwelt beachten und erhalten. Zum Beispiel, wenn Totholz in einem Garten auch mal liegenbleiben darf! Zusätzliche Nisthilfen bereitzustellen hilft natürlich auch.

 

 

Leben Wildbienen auch in der Großstadt?

Auf jeden Fall. Sie nisten überall, wo Nisthilfen und Nahrungsquellen vorhanden sind.

 

ACHTUNG, VÖGEL: WILDBIENEN SIND EINE BELIEBTE NAHRUNGSQUELLE.

 

Wie funktioniert so ein Hotel für Wildbienen?

Ein gutes Bienenhotel bringt alle Voraussetzungen mit, die für Eiablage und Aufzucht der Brut notwendig sind. Die Bienen entdecken dann das „Hotel“ als geeignete Niststätte und ziehen ein.

 

Wie muss man sich den Nistvorgang in den Röhren vorstellen?

Die Wildbiene baut in jeder Röhre verschiedene „Kammern“ mit je einem Ei darin. Zu jedem Ei legt sie einen Futtervorrat an, der aus Pollen und Sekret der Biene besteht, und verschließt anschließend die Röhre von außen.

 

Weil die männlichen Bienen zuerst schlüpfen und die Röhre früher verlassen, befinden sich ihre Kammern weiter vorn in der Röhre, die der weiblichen sind hinten. Die Röhren oder Bohrlöcher müssen also tief genug sein – mindestens 6 bis 10 cm – damit sich weibliche und männliche Wildbienen entwickeln können.

 

Was muss ich beachten, wenn ich das Bienenhotel im Garten oder auf dem Balkon installieren möchte?

Wichtig ist, dass die Nisthilfen geschützt aufgehängt werden: Auch bei Regen und Sturm sollten sie trocken bleiben. Idealerweise platziert man sie möglichst sonnig, also südseitig. Am besten schützt man das Bienenhotel auch vor dem Zugriff von Vögeln: Wildbienen gehören schließlich zu ihren Nahrungsquellen. Mit ihrem Schnabel picken sie die Röhren gern aus.

 

KINDER WILLKOMMEN – WILDBIENENSTICHE AUSGESCHLOSSEN.

 

Wie robust ist so ein Bienenhotel aus Pappe?

Das kommt sicher auch darauf an, wie geschützt es aufgestellt wird. Natürlich ist ein „Holzhotel“ als Brutstätte noch idealer für die Bienen, weil es beständiger ist.Allerdings habe ich mit der Nisthilfe aus Pappe auch noch keine konkreten Erfahrungen gemacht: Je nach Art läuft so eine Brutzeit über mehrere Monate, da wird sich zeigen, ob sich vielleicht die Form der Pappe durch Feuchtigkeit verändert. Aber warum sollte es aus Pappe nicht funktionieren, wenn das Hotel sinnvoll platziert ist?

 

Darf das Bienenhotel überhaupt in der Nähe von Kindern aufgestellt werden?

Wildbienen stechen nicht – von daher halte ich es für völlig unbedenklich, wenn das Bienenhotel in der Nähe von Kindern aufgehängt wird. Im Gegenteil: Für Kinder ist das ein spannendes Beobachtungsobjekt! Sie werden sensibilisiert, Brutstätten ungestört zu lassen und zu beobachten.

 

Wird ein Bienenhotel ganzjährig genutzt oder nur zu einer bestimmten Jahreszeit?

Bienenhotels kann und sollte man tatsächlich das ganze Jahr über stehen lassen. Manche Arten brauchen mehrere Monate für die Entwicklung ihrer Brut, auch über die Wintermonate.

 

UNTERNEHMERISCHES ENGAGEMENT? IST AUCH IM KLEINEN SINNVOLL.

 

Es sind längst nicht mehr nur die großen Unternehmen, die sich heute für den Tier- und Umweltschutz engagieren. Was bringt das? Kann man auch mit wenig Investment etwas bewegen?

Ich finde es grundsätzlich toll, wenn sich Betriebe da engagieren. Je öfter Umweltthemen in der breiten Öffentlichkeit kommuniziert werden, desto mehr Aufmerksamkeit bekommen sie! So erfahren wir alle mehr über die Probleme – eine wichtige Grundlage, um die Natur zu verstehen, die Umwelt zu schätzen und ein besseres Umweltbewusstsein zu entwickeln. Wir alle müssen Verantwortung übernehmen, sonst funktioniert es nicht.

 

Viele Betriebe schmücken sich gern mit einem nachhaltigen Auftritt, weil das gut ankommt. Ist das nur ein Trend oder steckt mehr dahinter?

Das kann man nicht pauschal sagen. Natürlich ist es schade, wenn es einem Betrieb ausschließlich um kurzfristige Geschäftsinteressen geht. Viele aber haben ein ernsthaftes inhaltliches Interesse, sich an Förderung des Naturschutzes zu beteiligen – und das ist dann toll für alle Beteiligten.